Über diesen Blog

flugfieber.net ist meine Geschichte vom Segelfliegen.

Nachdem ich schon von meinen allerersten Streckenflugerfahrungen längere Berichte geschrieben und stets genaue Analysen durchgeführt hatte, wurde ich von vielen Seiten ermuntert, meine Ergebnisse und Erfahrungen auch mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Aus einem simplen Spiel von Berichten und Erklärungen zu den Trainingsflügen, Langstreckenprojekten, Wettbewerben und Abenteuern wurde im Laufe der Zeit eine mehr oder weniger zusammenhängende Kette von Erzählungen und Kurzgeschichten, die inzwischen tatsächlich einen Teil meines Lebens wiederspiegelt.

Durch zahlreiche Verlinkungen und Vorstellungen hat flugfieber.net inzwischen im deutschsprachigen Raum einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, welcher mich immer wieder motiviert, weiter zu schreiben.

Ich versuche in meinen Worten meine eigene Begeisterung für meine Sportart zu verwenden, um sie in anderen Menschen zu wecken.

flugfieber.net ist mehr als eine Geschichte zum Lesen. Für mich ist es eine gut getarnte Liebeserklärung an das Segelfliegen.

– „Flugfieber“ ist übrigens gar nicht der richtige Ausdruck für die Sucht und Leidenschaft, die ich mit vielen anderen Piloten teile: Denn Fieber ist heilbar.

Hey 🙂 Prinzessin Kaja!
Ich hoffe, die Tarantel hat dich noch nicht niedergejagt, zur Strecke gebracht, aufgefuttert? Es waere relativ schade… ohne Frage.
Letztendlich bin ich also doch aufgebrochen. Trotz allen Protesten von innen und aussen, habe ich meine Sachen gepackt und bin ein letztes Mal davongezogen, fuer die letzten ungefaehr vier Wochen – aber diesmal ist es anders. Diesmal habe ich ein konkretes Ziel, diesmal „muss“ ich irgendwo hin: Zurueck nach Auckland, am anderen Ende des Landes, mehr als 2000 Strassenkilometer und noch viel mehr Erinnerungen entfernt.Aber daran denke ich im Moment noch gar nicht. Noch immer bin ich auf dem Weg nach Sueden, also in die andere Richtung, noch immer folge ich diesem merkwuerdigen, natuerlichen Streben des Menschen nach Orten, die entweder unzugaenglich, oder ungemuetlich, oder unbewohnbar, oder am allerbesten alles miteinander sind. Die Wildnis Neuseelands – vor allem in den Kuestenregionen – ist mit nichts vergleichbar, das ich je zuvor durchwandert hatte. Und es wurde in den Wochen meiner Reise mit jedem Kilometer, den ich nach Sueden gelangt bin, ein wenig wilder, ein wenig passender. Deswegen habe ich mich entschlossen, es ganz zu Ende zu bringen. Morgen komme ich unter Umstaenden an den suedlichsten Festlandpunkt (kann man in NZ von Festland reden?) der oestlichen Zivilisation – nur noch ein paar tausend Kilometer bis zum Suedpol, nur drei Tage mit dem Schiff, oder so.
Naechste Woche will ich nach Fiordland, zum Inbegriff aller Wildheit und Entferntheit. Ein Land, so gross wie Bayern, mit weniger als 5000 staendigen Einwohnern. Dort kann man auch nirgendwo wohnen, man kann an viele Punkte nichtmal zu Fuss hin gelangen, weil der Regenwald zu undurchdringlich ist. Ein paar Wanderwege jedoch gibt es, und ich betrachte es als wohl wert, einige Tage zwischen den Fjorden und Bergen zu verbringen. Was ich jedenfalls vor zwei Wochen aus dem Segelflugzeug von diesem Land sehen konnte, hat mich total gefesselt.
Ich will nicht schon wieder mit dem Segelfliegen in Omarama anfangen. Von meiner neuen Familie, und so. Aber… in dieser bunten Familie von Fliegern war auch einer, Alex, in Spanien geboren, in England aufgewachsen und in Kalifornien studiert, der jetzt, mit Mitte 20, seine erste groessere Lebenskrise ueberwindet und fuer ein Jahr lang eine Auszeit nimmt. Ich bin sehr gut mit ihm klar gekommen und wir haben viel zusammen gesessen.
Drei Tage nach meiner Abreise erhielt ich die Nachricht, dass Alex ueber dem Timaru Creek Valley die Kontrolle verloren hat und abgestuerzt ist. Sierra Lima, eines der Discus-Flugzeuge in Omarama, wurde voellig zerschmettert, und Alex hat wie durch ein Wunder mit mittleren Verletzungen an Arm und Fuss ueberlebt. Er wurde mit dem Hubschrauber nach Queenstown gebracht…Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass Alex ueberlebt hat, aber ich bin trotzdem immer noch leicht benommen von dem Vorfall. Ich habe kurz mit Gavin telefoniert, und er wirkte ziemlich gefasst, er hat in seinen ueber 30 Fliegerjahren natuerlich schon viele, wahrscheinlich dutzende solche Vorfaelle gehabt, und die meisten davon waren nicht so gluecklich wie dieser… aber ich habe mich einfach noch nicht daran gewoehnt, wie regelmaessig solche Situationen einen persoenlich betreffen.
Ich mag nicht aufzaehlen, die wievielte das fuer mich war. Die meisten hoeren nach einigen Jahren einfach mit dem Zaehlen auf, und die die nicht mit dem Zaehlen aufhoeren, hoeren irgendwann mit dem Fliegen auf.

Zu schoeneren Dingen im Leben: Seit gestern kann ich wieder wirklich lachen. Denn gestern Abend habe ich wieder einmal festgestellt, dass ich auf meiner Reise nicht alleine bin.
Nachdem ich in Dunedin die Sache mit Alex aufgenommen habe, konnte ich erstmal nichts mehr mit der lauten, bunten Stadt anfangen, und habe eine Fahrt auf die Otago-Halbinsel geangelt. Bin dort den ganzen Nachmittag lang geradeaus gelaufen, und habe eine herrliche Bucht mit Duenen, Klippen und Sandstrand gefunden. Zum ersten Mal sah ich nicht nur Seehunde und Fellrobben, die mich seit Wellington fast ueberall an der Kueste begleiten, sondern auch einige Seeloewen. Wohl wissend, dass die um einiges aggressiver sind als die dicken, faulen Fellrobben, habe ich einen grossen Bogen gemacht, bin bis zum Abend in den Felsen klettern und bouldern gegangen, und habe dann in den Duenen mein Zelt aufgeschlagen. Muede vom Klettern und Wandern wollte ich eigentlich schlafen gehen (morgen Vormittag wuerden es immer noch ein, zwei Stunden zur naechsten Strasse sein, falls ich auf der Karte recht hatte wo ich war), aber irgendetwas sagte mir, geh jetzt nicht schlafen, sondern laufen. Als ob es das einzig logische waerem nach einem ganzen Nachmittag voller Anstrengung, laufen zu gehen. Ich musste einfach, keine Ahnung warum, aber ich lief los, um die Seeloewen aussenherum, und wieder auf den Strand, und entlang zu den Klippen, und wieder zurueck. Ungefaehr auf halbem Rueckweg waren irgendwelche Voegel auf dem Strand. Als ich naeher kam, waren sie weg. Erst beim Weiterlaufen sah ich im Augenwinkel wieder einen weissen Kopf aus dem Wasser strecken. Ich blieb stehen und konnte gerade noch sehen, wie ein waschechter Pinguin sich kurz erhob, mich entdeckte und rasch davonschwamm.

Ich entfernte mich leise, suchte anhand meiner Fussspuren das gut versteckte Zelt und tat diesmal das, was ich logisch fand: Kamera-Batterien wechseln, das in der Dunkelheit leuchtende T-Shirt gegen eine schwarze Jacke austauschen, die hellen Schuhe ausziehen und barfuss wieder zurueck zum Strand schleichen. Zwischen verstreuten, dunklen Felsen bezog ich liegend Stellung, die Kamera im Anschlag, und wartete.
Nach und nach kamen vielleicht zehn, fuenfzehn Pinguine ueber den Strand gewatschelt, einen Steinwurf weit entfernt ungefaehr, und ich war total gefesselt. Ich hatte alles gelesen: Wie sie tagsueber im offenen Meer jagen und herumschwimmen, und abends nach Einbruch der Dunkelheit zu ihren Nestern, meistens in den Bueschen hinter Sandstraenden, watscheln. Wie man sie normalerweise nur in Reservaten sieht, weil sie sonst zu scheu sind und nur in wenigen ganz bestimmten Gebieten wohnen.
Leider zu weit weg zum fotografieren, und zu dunkel. Aber immerhin, Pinguine.
Lange nachdem das Hauptfeld in den Nestern verschwunden war, lag ich noch da, und hoffte auf mehr. Und irgendwann, tatsaechlich, kamen zwei Nachzuegler aus dem Wasser, und direkt auf meine Felsbrocken zugewatschelt. Wie daemlich das aussieht – jetzt nur nicht lachen!! Hoffentlich laufen sie nicht ueber mich drueber…
Die Bilder, die ich machen konnte, sind sehr unspektakulaer, aber sie sind Zeugen von einem der faszinierendsten Erlebnisse, die ich am Boden je hatte. Und auf dem Rueckweg zum Zelt, inzwischen in voelliger Dunkelheit (Ich lief mindestens zweimal daran vorbei und stolperte dabei fast ueber einen schlafenden Seeloewen), fluesterte ich nur leise ein „Danke“ hinaus – fuer die Idee, unbedingt vor dem Schlafen noch laufen gehen zu muessen.

Nach zwei Delphin-Arten, drei Robben-Arten, einem Wal und zwei Pinguin-Arten (Die Gelbaugenpinguine hatte ich vorgestern schon in Oamaru gesehen, allerdings in einem Reservat) suche ich jetzt noch nach einem einzigen, ganz speziellen Meeresbewohner. Vielleicht finde ich ihn morgen, ich habe einen Tip bekommen, wo man ihn am besten sucht und lauert… lass dich ueberraschen 🙂

Bei mir ist es uebrigens genauso zehn Uhr wie bei dir, nur anders!

Fuer dich jetzt einer der schoensten Ortsnamen, in denen ich je war: „Portobello Village“.
Und einen Kuss bekommst du auch, gar keine Frage, einen ganz sanften sogar

Ein Kommentar zu “Über diesen Blog

  1. Lieber Benjamin,
    von einer „gut getarnten Liebeserklärung“ kann ja keine Rede sein.
    Alles Gute in Down-Under! Ich freu mich Dich wieder in Königsdorf zu sehen.
    Wolfram

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