Fliegen lernen

Eine Szene, die jedem Segelflieger gut bekannt ist. Irgendwie freut man sich schon immer wieder darüber: Es interessiert sich jemand für das, was wir tun!

„Was, du kannst fliegen? Wie jetzt. Echt? So mit Motor, und so?“

Mit Motor. Ähm, nein.

„Wie, ohne? Und was ist dann, wenn der Wind weg ist?“

Ich blicke ein bisschen betreten zu Boden, wohl wissend, dass sowas nun mal nicht  zum Allgemeinwissen gehört. Ich beschließe, zunächst nichts von thermischen und dynamischen Aufwindsystemen, von Windenstarts und Streckenflügen zu erzählen. Vielmehr frage ich manchmal, wenn ich mein Gegenüber nett finde: Willst du mal mitfliegen?

Es ist eigentlich immer dieses erste Mitfliegen, welches einen Interessenten fesselt,  nicht mehr loslässt und ihn irgendwann selbst hinter dem Steuerknüppel Platz nehmen lässt. Und wer mit dem Gedanken spielt, Segelflieger zu werden, sollte zuerst einmal genau dies tun: Mitfliegen. Sich alles ansehen: Die Geräte, die Leute, die Abläufe.

Ich will mal „Schnupperfliegen“. Was muss ich tun?

Ganz einfach: Komm zu einem Segelflugplatz in deiner Nähe. Hier finden sich sofort freundliche Piloten, mit dem man sich unterhalten kann. Unweigerlich wird man binnen kurzer Zeit  im Cockpit eines Doppelsitzers Platz nehmen und mit einem erfahrenen Piloten eine Runde drehen. Dein richtiges Leben beginnt jetzt.

Ihr werdet es lieben.

Kleiner Tipp: Wenn euch beim ersten Flug schlecht wird, ist das ziemlich normal. Das Fliegen ist einfach ein zu ungewohnter Zustand für den Körper, um ihn sofort zu „akzeptieren“.

Das Mindestalter zum Beginn der Segelflugausbildung ist übrigens 14 Jahre.

Einfach mal so mitfliegen dürft ihr natürlich schon davor.

Das Mitfliegen war toll. Jetzt will ich das auch lernen!

Das war mir klar.

Fliegen zu lernen ist eine Entscheidung, die man nicht so einfach an einem Tag treffen kann. Es geht hier nicht um ein neues T-Shirt und auch nicht um ein neues Haustier. Es ist eine Entscheidung, die euer Leben in den folgendem Monaten vollkommen umkrempeln wird. Aber es ist trotzdem eine ziemlich gute Idee, es einfach zu tun. Hier sind die Fragen, die man sich stellen sollte:

  • Habe ich genügend Zeit für ein Hobby, das man entweder ganz oder gar nicht ausübt?
  • Bin ich fähig, Verantwortung für mich selbst und andere zu übernehmen?

Ja? Super. Herzlich willkommen.

Was kostet so ein Segelflugschein?

Um diese Frage kommt man einfach nicht herum. Aber ich kann beruhigend sagen: Es ist gar nicht so schlimm. Am meisten kostet es eine Sache: Zeit. Man sollte im Sommer tatsächlich versuchen, an jedem oder fast jedem Wochenende fliegen zu gehen.

Eine konkrete Geldsumme zu nennen, ist fast unmöglich.

  • Die Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich.
  • Die Ausbildungsflüge werden großenteils mit Windenstarts durchgeführt, und ein Windenstart kostet meistens weniger als 5 Euro.
  • Um die Flugzeuge des Vereins zu benutzen, muss man meistens eine „Chartergebühr“ von 5 bis 10 Euro pro Stunde  bezahlen.
  • Die Mitgliedschaft in einem Segelflugverein kostet meistens etwa 150 bis 300 Euro jährlich. Dazu kommt meistens noch ein Aufnahmebeitrag, der häufig etwas höher ist.

Summa Summarum sollte man mit irgendwas zwischen 500 und 1000 Euro im Jahr rechnen, aber das ist von vielen Faktoren abhängig. Nicht zuletzt davon, wie viel man fliegt.

Wie läuft die Ausbildung dann ab?

Zuerst muss man bei einem Fliegerarzt eine gesundheitliche Überprüfung machen. Für einen gesunden Menschen stellt dies kein Problem dar. Die Ausbildung beginnt dann natürlich im doppelsitzigen Segelflugzeug mit einem Fluglehrer zusammen. Hier lernt man die grundlegenden Fähigkeiten Starten, einfaches Fliegen und Landen. Nach etwa 40 bis 60 Starts und drei bis sechs Monaten ist man soweit, dass man unter der Aufsicht eines am Boden stehenden Fluglehrers alleine fliegen darf. Weiter geht es sowohl doppel- als auch einsitzig; es werden weiterführende Kenntnisse wie das Fliegen in der Thermik und der Streckenflug gelernt und verinnerlicht.

Nebenbei lernt man im Theorieunterricht (vor allem im Winter) wichtige und unwichtige Dinge in den Fächern Technik, Navigation, Meteorologie, Luftrecht, Verhalten in besonderen Fällen und Menschliches Leistungsvermögen. Darüber wird man dann auch eine staatliche Theorieprüfung über sich ergehen lassen müssen.

Nach eineinhalb bis zwei Jahren Theorie und Praxis kann man dann auch die abschließende praktische Prüfung ablegen. Dann bekommt man endlich den ersehnten Lappen.

Aber seid  beruhigt: Jetzt hat das Lernen gerade erst angefangen.

Und wo ist jetzt der Motor?

Das lernt ihr dann schon auch noch.

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