Scavenger Hunt

Die Geschichte eines 700 km-Dreiecks

Scavenger Hunt

In Amerika ist es vor allem ein Spiel für Kinder. Ein kleiner Zettel, den man stets bei sich trägt, und den man nicht gerne jedem herzeigt – er enthält eine Liste von Aktivitäten, Zielen, Werten oder einfach Ideen. Eine Reihe von Herzenswünschen, die das Kind im Laufe seines bisher kurzen Lebens angesammelt hat: Einen Riesenteddybär auf dem Jahrmarkt schießen; einmal mit dem Kanu unter dem Wasserfall durchfahren und nicht, wie sonst immer, kurz vorher umdrehen; ein vierblättriges Kleeblatt entdecken; irgendwann das blonde Mädchen aus der dritten Reihe zum Tanz bitten, ja sogar nach Hause begleiten. Eine Art Schnitzeljagd, die mit viel Spaß und Spannung durch das Leben führt und die jedem, der einmal wieder einen Haken in eines der Kästchen am rechten Rand des zerknitterten Zettels setzen kann, ein Leuchten in die Augen zaubert. Das Spiel heißt „Scavenger Hunt“.

Ich besitze einen solchen Zettel nicht, und wenn ich doch einen führen sollte, dann würde ich mich hüten, seinen Inhalt an dieser Stelle auszuplaudern. Einen Punkt allerdings kann ich ruhig verraten, denn genau hier gehört er hin.

Ich habe neulich einen Haken in ein Kästchen machen können, zumindest mental. Wer mich nach diesem Tag ansah, wusste das auch.

Eines will ich noch vorweg nehmen: Der Haken war etwas mehr als 706 Kilometer lang.

Luka

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem Luka Salehar und ich Freunde wurden. Was es wenige Monate später für uns bedeuten würde, wussten wir freilich beide nicht, als wir damals, an diesem Frühsommertag, ins Cockpit des Doppelsitzers stiegen. Ich als einer der Bundesliga-Piloten des eingespielten Königsdorfer Teams – und er als eher zufällig an mich geratener Copilot.

Was ich von diesem drahtigen Studenten aus Slowenien als erstes bemerkte, war sein starker Wille, einfach verdammt gut zu fliegen. Der wurde manchmal von einem etwas löchrigen Selbstbewusstsein überschattet, aber sobald wir uns einigermaßen in den Flug und unsere Rollen hinein gefunden hatten, kamen vom hinteren Sitz immer häufiger gute Ideen, Beobachtungen und Argumente, aber auch weitsichtige, zur Vorsicht mahnende Kritik. Wir arrangierten uns auf diesem etwa dreieinhalbstündigen Wertungsflug bald so gut, dass mir zu dämmern begann: In Luka steckte mehr als ein guter Pilot – er war der Teampartner, der mir bei den ganz großen Vorhaben bisher immer gefehlt hatte.

Fortan trainierten wir zusammen, so oft wir konnten – in der Luft und am Boden.

Wir diskutierten über Flugstrategie und -taktik, über die Sicherheit und über Erfolge und Misserfolge bisheriger Flüge. Die fliegerischen Laufbahnen zweier junger Piloten, ihre Erfahrungen und Ansichten, letztlich ihr gesamtes theoretisches Wissen wurde im Schnellverfahren hervorgeholt und neu aufgerollt.

Es zeigte sich, dass Luka mir, entgegen seiner Erwartung, auch in einem getrennten Flugzeug völlig ebenbürtig war und dass die beiden Discus-2c-Schwesterflugzeuge 2C und 2D wie auf uns beide zugeschnitten passten. Wir fanden unseren Rhythmus und die richtige Mischung zwischen Teamflug und Einzelfreiraum.

Lukas natürliche, gesunde Vorsicht ist die Grundlage seiner Fliegerei, vor allem im Gebirge. Oft saßen wir lange über Reliefkarten und Computersimulationen des Alpenbogens. Er arbeitete hart daran, seinen fliegerischen Horizont zu erweitern, lernte Außenlandewiesen auswendig und trainierte die Streckenmöglichkeiten ein. Auch selbstständige Flüge in den Nordalpen wurden für ihn langsam wieder vom Abenteuer zur Routine.

Er schaffte es, all das, was ich einen ganzen Winter lang minutiös genau vorbereitet hatte, binnen weniger Wochen nachzuholen. Die Idee ganz großer FAI-Dreiecke hatte auch ihn längst gepackt. Eines Abends im Juni saßen wir über der billigsten Pizza, die wir in der Stadt finden konnten, und ich sprach zum ersten Mal aus, was wir beide schon längst ahnten: dass wir ganz nah an meiner Traumstrecke, dem 700 km-Alpendreieck, waren.

Wir mussten es nur noch fliegen.

Young, dumb and full of water

Das Wetter am 27. Juni war nicht einmal herausragend. Natürlich war es kein schlechtes Flugwetter, aber eben auch kein ganz besonders gutes. Trotzdem machten Luka und ich die Flugzeuge schon um acht Uhr startklar, tankten reichlich Wasserballast, und schworen uns auf die große Langstrecke ein. Von der Idee, dass wir es schaffen würden, waren wir zwei vollkommen durchdrungen, wir waren vorbereitet, im Kopf war der Flug schon hundert mal geschehen – heute würde er Wirklichkeit werden. Wir hatten viel trainiert, waren beide schon auf der Alpensüdseite gewesen, hatten beide dort schon Bekanntschaft mit dieser oder jener Falle und Tücke gemacht. But this time we´ll be bulletproof.


Nicht nur für mich sollte dieser Tag einen ernsthaften Vorstoß auf einen deutschen Meistertitel in der DMSt bedeuten. So wie ich in der Junioren-Standardklasse, ist Yann von Hansen in der Doppelsitzerklasse mit guten Aussichten im Rennen und wollte an diesem Tag, mit Wolfram Gothe als Duo-Copilot, das 700er Dreieck ebenfalls angehen. Unsere Wendepunkte: Der Dobratsch bei Villach und der Corvatsch bei St. Moritz.

So waren es drei Flugzeuge, die sich um kurz nach zehn Uhr am Ende der Piste aufreihten. Über dem Asphalt flimmerte die Morgenluft in der frühen Sonne des späten Juni. Alle wussten, dass die Tage ab jetzt wieder kürzer werden und damit die Chancen auf lange Strecken sinken.

Ich weiß nicht mehr, ob wir vor dem Start nervös waren, oder ob wir uns einfach nur darauf fixierten, die Spitze der Konzentration zu erreichen. Sekunden vor dem Einsteigen klatschten Luka und ich nochmals in die Hände, stießen einen Kampfschrei aus, wie er in Königsdorf selten gehört wurde („Müssen wir uns auch so anbrüllen? Vielleicht kommen wir dann rum!“, fragte Yann seinen Copiloten), und dann rollten die Schleppmaschinen heran.

Vom Moment des Abhebens an war alles in Ordnung. Es stimmte einfach alles. Wie ich es mir vorgestellt hatte, so war es jetzt. Das Gefühl, das Wetter, das Flugzeug, die Zeit, die Motivation: Hinter dem Steuerknüppel der 2D befand sich genau der richtige Mix aus Konzentration und Euphorie, aus Aggressivität und Vorsicht, aus Willenskraft und Fähigkeit. Wir werden heute fliegen. Wir werden dabei Fehler machen, wir werden Probleme bekommen, aber wir werden damit fertig werden. Wir werden heute gut genug fliegen, um rumzukommen. Und es wird ganz wunderbar werden.

Ich fliege mit dem Gefühl, es längst schon geschafft zu haben. Als ob ich mir jetzt im „Replay“ anschauen würde, wie es gelaufen ist.

Das „Replay“

Der Abflug um viertel nach zehn gelingt einwandfrei, wir kommen gerade zum richtigen Moment in den Tegernseer Bergen an, um die gute Thermik von Anfang an mit zu bekommen. Luka und ich vorne, der später gestartete Duo ein wenig hinterher, von Gipfel zu Gipfel. Business as usual. Schon gehen die Steigspitzen auf über drei Meter, und die Wolkenbasis ist in 2400 m genau da, wo sie hingehört.

Dann der Anflug auf den Wilden Kaiser. Man bemerkt die Nordströmung in der Höhe. An den Kalkwänden scheint sie bis auf Gipfelniveau herab durchzuschlagen – eine Falle. Trotz der guten Sonneneinstrahlung regt sich an den hellen Felsen sehr wenig. Wir verlieren Zeit, der Duo schließt auf, zu dritt bekommen wir Überhand und verlassen das Massiv erst, als wir wieder über dem Grat sind. Höher kommen wir einfach nicht. Weiter über St. Johann.

Die Luftmasse hier im Osten Tirols ist heute nicht zu vergleichen mit der in Bayern – von Labilität nichts zu spüren, und der Nordwind macht uns das Leben schwer. Am Wallerberg bleibe ich stecken, während die anderen beiden Flugzeuge zur Wolke steigen können. Ich lasse sie ziehen mit dem Versprechen, bald wieder dabei zu sein. Jetzt muss ich mich konzentrieren. Der Wallerberg will mich heute nicht, südlich locken die einzig vernünftigen Entwicklungen im Glemmtal. Ich fliege durch eine Scharte an die Südhänge und merke, dass Energie da ist. Jetzt macht sich jedoch der Wasserballast negativ bemerkbar. Die Thermik wird hier erst in einer Stunde gut sein. Ein paar Schleifen hier, nichts gewonnen und nichts verloren, weiter nach Zell am See. Langsam wird es ungemütlich, aber mit jeder Minute komme ich dem Wetter mehr auf die Schliche. Es sind die seitlichen Ostkanten der Südhänge, die jetzt funktionieren – da, wo die Einstrahlung genügt, aber das Lee nicht so ausgeprägt ist wie in der Mitte. Ich weiß, dass es nur ein wenig Geduld braucht, stelle zur Sicherheit die Platzfrequenz von Zell im Funk ein und hänge mich an die Schmittenhöhe. Ähnlich wie erwartet, löst sich der Bart nach einigen Achtern ab und trägt mich aus 1400 m Höhe in einem Zug wieder auf Operationshöhe zurück. Oben geht es mit über drei Metern – Ich war tief herunter, aber habe nicht viel Zeit verloren.

Doch es bleibt schwierig. Ich mache am Hundsstein die maximale Höhe, um das Salzachtal nach Süden zu überqueren, auch wenn das Steigen hier wieder Zeit kostet. Der Anflug auf den Alpenhauptkamm steht bevor, und im Funk klagen Yann und Luka über Probleme. Ihre Infos helfen mir, taktisch optimal an die Querung heranzugehen.

So reite ich in sanften Schlangenlinien den Grat zum Silberpfennig hinauf, und kann beobachten, wie die Wolkenbasis mit dem Gelände ansteigt. Hier ein Meter, da ein halber, hier wieder null komma acht. Alle paar Kilometer kann ich mir wieder einige Kreise erlauben und so die Wolkentreppe zum Hauptkamm heraufklettern. Aus 2400 werden bald 2700 Meter. Irgendwann, bei Bad Hofgastein, liegt endlich das Tor auf die Südseite vor mir. Luka ist noch im Tal und steigt langsam auf Querungshöhe, der Duo ist schon ein wenig weiter. Wir holen uns alle immer wieder gegenseitig ein, und warten erst, wenn es nicht anders geht – Infoteamtaktik. In eindeutigem, aber kniffligem Wetter wie diesem ist es für alle das Beste.

Ich habe genügend Reservehöhe und springe über den Grat des Alpenhauptkamms. Der Discus passt genau durch die Scharte. Doch sofort wird der Nordwind tückisch und heißt mich in Kärnten etwas zu herzlich willkommen: Das Lee packt kräftig zu, doch auch der Leebart steht, wo man ihn eben erwartet. Die Beschleunigungen sind enorm, aber sobald ich über die Gipfel komme, legt sich die Turbulenz. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass ich die 3000 Meter übersteigen kann.

Ich entscheide mich für die linke Seite des Mölltals, da die Leebärte stark und gut zu finden sind, und weil sie Spaß machen. Links ziehen die hohen Zacken der Sonnenwände vorbei. Rechts zieht ein Wal vorbei. Erst auf den zweiten Blick ist es ein Flugzeug: „Papa Charlie“, der große Cirrus aus Paterzell. Es ist Sven Richter, der in der Clubklasse auf Dreieckskurs unterwegs ist. Wir begrüßen uns und gehen zusammen nach Südosten. Zum ersten Mal, seit wir Deutschland verlassen haben, werden jetzt die Steigwerte gut.

Der Duo fliegt jetzt voraus, und ich gebe so viele Informationen wie möglich nach hinten an Luka weiter. Beinahe nur im Geradeausflug komme ich über Spittal, das Goldeck und Nötsch an die Wende herunter. Es ist das erste Mal, dass ich den Dobratsch in Wirklichkeit sehe, und nicht wie sonst nur im Simulator oder bei Google Earth.

Kurz nach der Umrundung der Wende um halb zwei Uhr, genau im Zeitplan, sind wir alle wieder zusammen. Dazu kommt Mathias Schunk gerade aus den Karawanken zurück – ohne Begeisterung berichtet er, wie der Nord auch hier die Thermik stellenweise völlig zerstört. Als größerer Pulk fliegen wir nun auf Westkurs und arbeiten daran, wieder ins höhere Gelände einzusteigen. Es ist klar, wer hier führt. Drautal, Lesachsattel – Mathias macht trotz Lee-Fallen vor, wie es geht. In den Lienzer Dolomiten steht der erste brauchbare Aufwind, der uns wieder mehr Optionen freigibt. Schon zieht die „Papa Mike“ am Horizont nach Südwesten davon, dahinter der Duo, und schließlich wechseln auch Luka und ich die Talseite. Am Nordrand der Dolomiten hält die Thermik endlich wieder, was die Wolken versprechen. Die Kulisse der zahnigen Felsen und hohen Wände ist so beeindruckend, dass ich aufpassen muss, im Rhythmus zu bleiben. Ich sehe alles zum ersten Mal aus der Nähe und genieße schweigend. Aus weit über 3000 m Höhe sieht der Kurs nach Westen befliegbar aus.

An der Plose haben wir den Duo wieder. Zwar liegen die Sarntaler Berge heute, wie so oft, im Blauen, aber zu dritt macht uns das keine Angst. Bald sind an der Jakobsspitze und dann an der Punta Cervina die versteckten Bärte gefunden. Hier trägt es auf über 3600 m Höhe. Dann, im Vintschgau, zeigen sich endlich wieder wenige Wolken. Schnalstal, Litzner Spitze, Schluderns, 3800 Meter. Es ist ein komischer Tag – sehr gut fliegbar, aber immer nur für kurze Zeit. Dann kommen sofort erneute Probleme. Liegt es am Nordwind?

Der Ofenpass lauert blau. Ich schlage vor, über den Quattervals im Süden vorbeizufliegen, um das Lee zu vermeiden. Die Gleitstrecke ist lang, aber es stellt sich als richtig heraus. Querab der Passhöhe finden wir neues Steigen, erst schwach, doch mit der Höhe wieder kräftig und solide. Mathias meldet im Funk das 1:0 von Klose im WM-Spiel gegen England.

Luka ist jetzt weiter unten und trifft auf Christoph Höfner in der „CG“, während der Duo und ich oben zur Basis in 4000 m Höhe gelangen.

Wir beschließen, zunächst bei dieser Aufteilung zu bleiben, und gehen schon mal vorwärts zur zweiten Wende. Noch immer liegen wir gut im Zeitplan, denn es ist erst kurz vor fünf Uhr.

Der Südrand des Engadins ist jetzt, am späten Nachmittag, wie so oft noch gut entwickelt. Wir erreichen auf Direktkurs die Wende am Corvatsch, hoch über dem stillen Ferienort Sils Maria mit seinen malerischen Seen. Es sieht aus wie auf der anderen Seite der Welt.

Das ist es auch, fast: Noch sind über 200 Kilometer zu fliegen, und es wird Abend. Jetzt geht es nur noch ums Heimkommen. Luka ist wieder hinter uns und wir fliegen über Zuoz und Mezzaun zum Piz Nuna.

Dann unterläuft uns ein Fehler, der uns doch noch den Flug hätte kosten können. Jenseits des Nuna beginnen die Wolken zu zerfallen, und schließlich verläuft sich unser vorher so schön gezeichneter Flugweg ganz im Blauen. Auf der nördlichen Talseite hingegen reiht sich weiterhin Cumulus an Cumulus – eine eindeutige Sache. Nach kurzer Diskussion verlassen wir die so oft erprobte Südroute kurz vor dem Reschenpass und fliegen den Muttler an, über dem die Wolken gut entwickelt stehen. Und fallen dort vollkommen ins Lee hinein. Darauf hätte man wirklich kommen können.

Nach einigem Suchen sind in einer Art Hangaufwind wieder hundert Meter gut gemacht, doch letztlich bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, die Entscheidung aus 2900 m Höhe wieder rückgängig zu machen. Die Einstrahlung der Sonne ist nun nahezu quer zu den Hängen gerichtet und die Thermik gibt hier unten nichts mehr her. Wir queren also abermals das Tal und gehen am Reschen auf die Südseite des Engadins zurück. Bis wir wieder Anschluss an die Blauthermik dort drüben bekommen, vergehen zwar zehn Minuten – aber wir schaffen es. Luka und Christoph sind wieder fast bei uns, Mathias war abends noch weiter im Westen und kommt jetzt auch zurück. Eine Kette von Flugzeugen zwischen Kaunergrat und Ötztal. Etwas nördlich stehen sogar wieder einige Wolken und die Steigwerte liegen auch jetzt, um halb sieben Uhr, wieder über 1,5 m/s. Am Fundusfeiler verschwindet das Minus beim Endanflugrechner, und einige Wolken später habe ich ein Minimum an Sicherheitsreserve dazugewonnen. Es könnte schon nach Hause reichen.

Ich komme als Erster am Kühtai an und bitte Innsbruck Radar um eine Freigabe, um die Kontrollzone nach Norden zu queren. Ich werde in eine Warteschleife eingewiesen, bis die Querung möglich wird.

Während ich in der abschwächenden Thermik südlich des Inns meine Höhe so gut als möglich zu halten versuche, treffen der Reihe nach alle anderen Flugzeuge bei mir ein. Luka, Christoph, Mathias und ich, etwas später auch Yann und Wolfram. Noch drei Minuten bis zur Freigabe, sagt der Controller. Wenn der wüsste, wie lang drei Minuten in so einer Situation sein können…

Endlich bekommen wir einen Slot zum Durchflug des Anflugsektors Innsbruck und verlassen dankbar das Hochgebirge in Richtung Deutschland. Der Endanflugrechner ist zuversichtlich, und ich bin es auch. An den warmen Westhängen des Karwendels lässt sich der Gleitwinkel wunderbar strecken und die Reservehöhe steigt unaufhörlich. Während es im Funk jetzt um das heutige Fußballergebnis geht und die Stimmung entspannt vom allgemeinen Triumph strahlt, frage ich mich, warum ich mit diesem Flug bis heute gewartet habe. Vielleicht habe ich tatsächlich einfach einen gebraucht, der es zusammen mit mir wagt.

In enger Formation gehen Luka und ich mit den zwei Discus-2c auf die letzten 50 Kilometer. Soiern, Jachenau, Brauneck, Lenggries. Die strahlend weißen Vögel spiegeln einander in der tiefstehenden Sonne. Das war es also. Wir hatten es ja geahnt. Das war es.

Nach fast 80 km Endanflug ist der Startpunkt wieder erreicht und das Dreieck geschlossen. Noch immer haben wir Höhe übrig. Noch ein wenig die Formation halten, das Gefühl genießen, nach neun Stunden Flug wieder sicher nach Hause zu kommen. Dann geht es Flügel an Flügel steil auf Königsdorf herab.

Um halb acht Uhr abends fielen wir uns in die Arme. Wir hatten es ja geahnt.

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