Königsdorfer Vergleichsfliegen

Da bin ich wieder! Auch wenn es eine ganze Weile gedauert hat (Sorry!), endlich gibt es eine neue Geschichte zu lesen.

Lasst mich mit dem Ende anfangen. (Womit denn sonst?!)

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Nun ist es zunächst keine unberechtigte Frage, wie (um alles in der Welt?!) die vier Segelflugzeuge und der Polizeihubschrauber auf die Wiese mitten in den bayerischen Bergen gekommen sind.

Und es ist eine lange Geschichte. So lang, dass ich schon eine Woche vorher anfangen muss, am Samstag, dem 16. Mai.

Es geht um meinen ersten zentralen Wettbewerb, um Höhen (großartig) und Tiefen (niederschmetternd), und vor allem um eine ganze Menge Spaß.

Am genannten Samstag (ich sollte mir die eingeklammerten Parenthesen wieder abgewöhnen) fing also an, worauf ich mich schon das ganze Jahr über gefreut hatte. Ein Spaßwettbewerb, eine Woche zusammen mit den anderen fliegen, viel lernen, und versuchen fliegerisch gegen die ganzen alten Hasen eine möglichst gute Figur zu machen.

So wanderten Jan, ich, unsere Ausrüstung, meine Gitarre und alles sonst noch lebensnotwendige für eine Woche zum Flugplatz. Ich hatte extra Schulfrei zum Fliegen bekommen, und Jan steckte mitten im Abitur zwischen den schriftlichen und der mündlichen Prüfung. Deswegen flog er auch in der Einsteigerklasse. Ich hatte mich für die Profiklasse gemeldet.

Tag eins, Samstag 16. Mai 2009

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Ich wollte natürlich auf meinem ersten Wertungsflug alles richtig machen. Das Wetter morgens war so furchtbar, dass wir erst nach vier Uhr nachmittags in die Luft kamen. Die Aufgabe war 110 km lang und hieß:

Königsdorf – Starnberg – Geratshof – Königsdorf.

Ich verhielt mich wie im Lehrbuch, probierte vor dem Abflug die ersten Wolken auf Kurs aus, flog dann hinter die Linie. Ich flog als einer der ersten ab, mit einem kleinen Pulk anderer Flugzeuge. Unsere Idee war es, möglichst früh um den Kurs zu kommen, weil die Bedingungen sich offensichtlich mit den Nachmittagsstunden verschlechterten.

Der Pulk, in dem ich war, war mir zu lahm. Schnell war ich der Höchste in den Aufwinden, bald hatte ich einen Kilometer Streckenvorsprung, und schon hatte ich sie außer Sichtweite. Ich führte, ich war schnell, und ich konnte und wollte gewinnen. Starnberg wird umrundet, nun noch 30 km nach Westen. Als erster, geschätzt 10 Minuten vor dem Feld, erreichte ich den kleinen Wiesenflugplatz südlich von Landsberg, den zweiten Wendepunkt. Ich war zwar tief, und hatte schon länger keinen guten Bart gehabt, aber das Fliegen bis hierher hat doch super funktioniert, jetzt wenden, die 50 km nach Hause, du bist heute schnell, Tagessieg, Benni, du hast das Ding doch schon fast in der Tasche. Mensch, werden die alle Augen machen. Jetzt nur schnell irgendwo wieder steigen, und dann los, ab nach Osten zurück –

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Äh, genau. Benni, du Held.

Tag zwei, Sonntag 17. Mai 2009

Beim Ärgern auf dem Acker nach der gestrigen Außenlandung hatte ich Zeit zum Nachdenken, und zum Lernen aus dem Fehler. Mann, war ich schnell gewesen, und dann der vorletzte Tagesplatz. Ein Trost, es gab noch vier andere Außenlandungen außer meiner eigenen. Zu meinen Eltern und meinem Freund Dreas, die mich bei Einbruch der Dunkelheit mit dem Anhänger holten, hatte ich beim Abschied gesagt: „Wird nicht mehr vorkommen. Morgen fliege ich den Tagessieg.“

Das Wetter wurde super. Wir bekamen eine Flächenaufgabe mit maximal 400 km Streckenlänge um den Arlberg und Lofer, in 3:30 Stunden.

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Und ich hatte gelernt. Deutlich später als die meisten anderen flog  ich ab. Der Weg nach Westen in den Bergen war schwierig, aber das machte mich schnell: Ich flog einfach geradeaus an den Bergen entlang, niedrig aber ohne viel Höhenverlust. So kam ich hinter den anderen her bis kurz vor Füssen. Am Plansee schließlich fing der Flug so richtig an. Ich kreiste hoffnungsvoll an einem Grat östlich des Sees ein, zentrierte das Steigen, und kurbelte den bisher besten Bart meines Lebens nach oben. Spitzenwert: 6,4 m/s.

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Von jetzt an war der Schalter umgelegt. Erste Wende, schon sind fast alle überholt. An der Nordkette auf Westkurs traf ich Henrik Aslund (TU), der extra aus Schweden für den Wettbewerb hergekommen war, und Thomas Wolf (G2).

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Flugs waren wir im östlichen Wendegebiet. Thomas und ich flogen noch bis zu den Loferer Steinbergen. Ich schätzte die Rückflugzeit ein, wendete rein spekulativ und begann schon am wilden Kaiser mit dem Endanflug.

Nach 3:27 Stunden von 3:30 möglicher Wertungszeit überflog ich die Ziellinie.

Am Abend schrieb ich nur eine kurze SMS an Dreas: „Tagessieg.“

Irgendwie war ich schon stolz.

Am Montag war schlechtes Wetter, so dass ich mit Five und Hacke nach München zur TU fuhr. Wir wollten einen Vortrag besuchen, der allerdings erst im nächsten Monat stattfand. Dadurch bekam ich dann die Münchner Flugzeugwerkstatt zu sehen, wo schon Formen für die Holme der Mü 31 gebaut werden.

Tag drei, Dienstag 19. Mai 2009

Wieder Flachlandwetter.

Vor dem Start zeigte mir Five seinen „Thermik an/aus“-Schalter.

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Ich war gespannt, ob ich es denn jetzt auch im Flachland hinbekomme, zumindest nicht zu verlieren.

Die Tagesaufgabe führte uns nach Westen bis Bad Wörishofen und dann nach Osten bis nördlich des Chiemsees, und von dort wieder nach Königsdorf zurück.

Der Abflug klappte wieder super. Später Abflug, 10 Minuten nach dem Pulk. Nach 40 km hatte ich sie eingeholt. Zwischen vielen militärischen Transportflugzeugen hindurch ging es auf den ersten Wendepunkt zu. Mit Five und Wolfgang zusammen wendete ich. Am Ammersee blieben sie zurück, als ich mich nur mit etwas Glück unter eine gute Wolke richtung Oberpfaffenhofen retten konnte und die anderen beiden kein Steigen fanden. Five musste außenlanden, Wolfgang verlor leider recht viel Zeit.

Südlich von München traf ich dann Diether Memert, den mehrfachen Weltrekordhalter, Sportleiter und „Star“ im Teilnehmerkreis. Zusammen flogen wir um die zweite Wende herum und führten das Feld an.

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Der Rückflug gestaltete sich als ernsthaft schwierig. Wir trennten uns etwa 30 km vor dem Ziel. Die Einsteigerklasse markierte mir dann den entscheidenden, guten Aufwind, von Diether bekam ich fairerweise noch einen Tipp, und schon war ich zu Hause.

vlcsnap-96334 Viele hatten es heute nicht um beide Wendepunkte geschafft, und eine witzige Hoffnung keimte in mir auf.

Tag vier, Mittwoch 20. Mai 2009

Zwei Tagessiege in Folge, das bedeutete Tabellenführung. Und wieder kam ein guter Flugtag im Gebirge! Ein riesiger Area Task, da passten über 600 km FAI rein. Da kann ich dann gleich noch ein paar DMst-Punkte mitnehmen!

Leider verzögerte sich der Start, und bis das große Feld einmal in der Luft und die Abfluglinie offen war, war es ein Uhr. 600 km vor mir, und so spät schon. Kann das gut gehen? Zweifel, Nerven, Ungeduld, und los.

Nach dem Abflug erwischte ich die Aufwinde viel besser als die anderen. Meine Steigwerte waren kein Vergleich zu denen, die die anderen im Funk durchgaben. Keine Ahnung, was ich anders machte, vielleicht hatte ich einfach Glück. Heute, wieder genau mein Tag? Genau! Ich preschte vor, mit 180 km/h, nächster Bart, wieder fast 4 m/s von unten bis oben, los, zum Wilden Kaiser, die anderen weit hinter mir! Yeah.

Um es kurz zu machen, das Nervenspiel von vorher war nicht gut für mich. Ich hätte die Aufgabe locker geschafft, war viel zu hektisch geflogen. Eine dumme und im Nachhinein beinahe unverständliche Fehlentscheidung, am Wilden Kaiser nicht im etwas schwächeren Steigen an die Basis zu klettern. Und schon saß ich am Boden.

Oooooh Neeein!!! Ich will eigentlich gar nichts drüber erzählen, so doof war das…

So einen Unsinn habe ich zusammen geflogen, wie er erste Mensch hab ich mich benommen, wie kann man nur so blöd sein…

Selbstzweifel. Bin ich nun gut oder nicht? Nein, das musste ich mir eingestehen, unten auf dem letzten Tagesplatz: Gut ist anders. Ich brauchte im Nachhinein zwei Tage, um mir diesen Fehler zu verzeihen und mit mir selbst fertig zu werden. Wie kann man nur so-

Ach, ich sollte nicht so kindisch sein. Fehler passieren, und sowas mach ich einfach nie wieder. Gut eigentlich, dass es jetzt passiert ist, wo es um nichts geht. Mathias Schunk, der mir sehr geholfen hat, meinte sogar, er sei froh, dass ich das durchmachen musste. Er hatte wohl recht.

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Donnerstag. Nach dem Start wurde die Thermik so schlecht, dass wir noch vor dem Abflug geschlossen die Aufgabe abbrachen und nach Hause flogen. Keine Wertung, natürlich.

Am Freitag regnete es häufig, so dass ich mich entschloss, in die Schule zu fahren um die Spanisch-Klausur mit zu schreiben.

Das Finale: Tag fünf, Samstag 23. Mai 2009

Da Five und ich durch unsere Außenlandungen auf den siebsten und sechsten Platz zurückgefallen waren, wollten wir uns wenigstens mit einem würdigen Finale aus dem Wettbewerb verabschieden. Die Aufgabe ging ins Engadin und dann zum wilden Kaiser, der Einstieg in die Berge war allerdings als sehr schlecht fliegbar vorhergesagt.

Und wie das schwierig war. Ich hängte mich immer hinter Flugzeuge, die vor mir in der Wertung lagen, und überholte sie nach kurzer Zeit. Ich war als einer der letzten abgeflogen und hatte bei Vorderriß die einzigen eingeholt, die vom Pulk noch übrig waren. Zwei waren in Krün außengelandet, viele nach Norden zurück geflogen. Zusammen kämpften wir in der furchtbar schwachen Thermik, um irgendwie an das herrliche Wetter im Inntal zu kommen. Wir waren echt gut, aber –

ach, lest einfach ganz oben weiter.

Es macht riesigen Spaß, mit vier Flugzeugen auf einer Wiese zu landen. Nico, Brot, Wolfgang, Gerd und ich standen auf der Wiese in Fall, nahmen die Funknachricht entgegen, dass der Flugtag neutralisiert würde und uns Außenlandern keine Punkte verloren gingen. Der Königsdorfer Wettbewerb war zu Ende.

Wir zogen uns aus uns sprangen in den See. Außenlanden ist klasse – kein Vergleich zum letzten Mal!!!

Irgendwann kam dann ein Hubschrauber an; Ein Bürger hatte angerufen und den Absturz einiger Flugzeuge gemeldet. Wir unterhielten uns mit den Piloten, bevor sie wieder starteten und noch einen tiefen Überflug über uns machten. Dann kamen irgendwann unsere Rückholer.

Dauergrinsen, irgendwie. Einfach so.

Danksagungen

Ich möchte für die Erlebnisse der Flugwoche vielen Menschen danken.

Zuerst einmal Wolfgang Schieck für die Veranstaltung des Wettbewerbs.  Dann auch Diether Mehmert, der die sportliche Leitung übernommen hat. Das war echt super.

Ich danke Hans Trautenberg für das Coaching und die stets kritische Betrachtung meiner Flüge, für die Feedbacks und herrlich verwirrenden taktischen Betrachtungen vor dem Start, für den Satz: „In den Bergen Thermik fliegen – das kann jeder Depp.“ (Der Satz hat den Flachland-Tagessieg verursacht). Und für drei Weihnachtssterne. Und für den ganzen Rest auch.

Ich danke den Teilnehmern des Wettbewerbs, die allesamt den Altersunterschied nicht voreingenommen gesehen haben und mich fast schon wie einen „alten Hasen“ betrachten.

Mathias Schunk für die äußerst positive Pressearbeit, die es mir ermöglichte, Schulfrei zu bekommen.

Nochmal Mathias, für das Gespräch über den Fehlerflug am Mittwoch, für die Interpretation meiner Blödheit und für die aufbauende Geschichte der bayerischen Meisterschaft vor über 10 Jahren.

Jürgen, dem Gast in St. Johann, für die spontane Rettung.

Hermann Braun für die Rückholung aus Fall.

Dreas und meinen Eltern für die Rückholung aus der Nähe von Geratshof.

Five, Hacke, Hannes und allen anderen wunderbaren Akafliegern für die Gastfreundschaft und die großartigen Essen.

Der Segelfluggruppe Isartal für die 2D und alle Voraussetzungen, die mir die ganze Fliegerei ermöglichen.

Danke!  ❤

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