Low save

Der Link zum Flug!

Gestern hab ich eine Tiefflugübung gemacht. Ziemlich unfreiwillig.

Der Wetterbericht für den Samstag war in den Vortagen nicht besonders eindeutig gewesen: Von „mäßig“ bis „kaum nutzbar“ gingen die Thermikvorhersagen auseinander. Trotzdem blieb ich in der Nacht von Freitag auf Samstag am Flugplatz, in der Hoffnung, doch irgendwie ein bisschen fliegen zu können.

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Man sieht es schon im Hintergrund: Das frühe Aufstehen hatte sich keineswegs gelohnt und ein dichter, grauer Himmel verhinderte jeden Gedanken an einen halbwegs frühen Start. Trotzdem bereitete ich den Discus 2c vor: schließlich wollte ich die Kabinenbelüftung, die ich am letzten Regenwochenende modifiziert hatte, testfliegen.

Ich half Sascha und Dieter dabei, zwei weitere Flugzeuge aufzurüsten und verbrachte die frühen Mittagsstunden ziemlich unschlüssig. Alle paar Minuten blickte ich zum Himmel. Der wurde und wurde einfach nicht heller.

Die ersten Schulflugzeuge starteten und wir werkelten ein bisschen an Leitwerk und Cockpit der LS 4 herum.

Um zwei Uhr wurde mir das alles zu doof. Ich stellte mich einfach mal in die Startreihe. Es hatten sich ein paar winzige blaue Löcher aufgetan. Ganz sicher geht´s irgendwo hoch.

Um 14:30 katapultierte mich die kräftige Elektrowinde in die Luft. Zwanzig Sekunden später und 380 m höher. Die Flugsicht war mehr als bescheiden:imgp1646

Ich war nicht mal überrascht, als es dann tatsächlich leicht außerhalb der Platzrunde zu tragen begann. Etwa 0,5 m/s Steigen konnte ich festnageln und zog mich daran nach oben. Bald wurde einer, dann 1,5 Meter daraus. Ich liebe Segelfliegen.

Die schwammigen CU-Wolken hatten zwar, wie ich nach einigen erfolgslosen Kreisen herausfand, nichts mit der Thermik zu tun, aber in deren Höhe von 1400 m über dem Meer (nur 800 über Grund) war trotzdem Schluss.

Der Wind pustete mäßig aus Nordosten, und die einzige Möglichkeit, heute ein Stück mehr von der Welt zu sehen als die Platzrunde, sah ich in der anderen Richtung. Also flog ich mit dem Wind fort nach Südwesten.

Ich merkte schnell, dass das Thermikfinden an diesem Tag oft Zufall war. Vielleicht fand ich deswegen keine mehr. Über Penzberg einige Kreise in schwachem Steigen, doch ich wollte weiter. Sicher geht es im Süden besser. Manchmal ein kleiner Lupfer, sonst nichts. Die bisher hübschesten Wolken des Tages über Sindelsdorf funktionierten nicht im Geringsten. Ich kam in etwa 500 m über dem Moor nördlich des Kochelsees an, fand nur zerrissene Steigböen, die ich nicht ausfliegen konnte, und geriet schließlich in eine stark sinkende Luftmasse unter den dortigen Quellwolken.

400 Meter. Minus drei pro Sekunde. Sollfahrt, drücken. Vielleicht hier drüben, an der Luvkante. Ein Lupfer, nein, wieder nichts. 350 Meter. Dann dort, über den freien Bodenflächen. Hier kann man prima landen, klar.

Noch könnte ich auch zum Privatflugplatz in Kochel hinübergleiten und komfortabel niedergehen. Aber dann müsste ich jetzt aufgeben, und wenn es irgendwo hochgeht, dann hier. Nein, lieber auf den Acker, und dafür noch zwei Minuten Thermik suchen.

(Diese Entscheidung hat mich nur zwei Sekunden gekostet.)

Ich ließ das Flugzeug die Thermik erfühlen, bemerkte behutsam jedes Flügelwackeln, jede Geschwindigkeitsänderung. Immer ein hoffnungsvoller Zieh-Impuls, wenn ein Stoß von unten kommt. Vorsichtig kreisen, ganz eng. Das Variometer blieb auf Null. Hier geht doch was. Noch ein, zwei, drei solche Kreise, ich sinke nicht mehr, steige noch nicht.

Da, ein Bussard. Ich bin 280 Meter über den Wiesenflächen nördlich des Kochelsees. 50 Meter südlich von mir dreht ein Bussard seine Kreise. Gerettet? Ich verlagere meinen eigenen Kreis, um den Bussard außenrum. Plus 0,5. Plus 1. Der Bussard findet mich ziemlich groß und relativ unelegant, aber er bleibt bei mir. „Mal sehen, ob er es hinbekommt, wo ich ihn doch jetzt schon gerettet habe“, scheint er zu sagen. imgp1641

Zwölf Minuten klammerte ich mich in dem schwachen Aufwind fest, und als ich immerhin wieder 600 Meter hoch gestiegen war, besaß ich den Mut, mir einen neuen, stärkeren Lift zu suchen.

Ich fand ein Stück weiter richtung Murnau, wo mich herrliche 2 bis 3 m/s auf unglaubliche 1700 m Höhe schossen. Jetzt war ich höher als die umgebenden Wolken, und vergaß für eine Weile alles. Ein Watte-Paradies mit den fantastischsten und chaotischsten Wolkenbildern, die man sich vorstellen kann. Der kurze Flugabschnitt zum Staffelsee zwischen den Wolken war einfach genial.

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Vom Staffelsee zog ich eine Linie entlang des östlichen Ufers des Starnberger Sees, die einigermaßen sicher zu befliegen aussah. Über den Osterseen zog ich einige Kreise in schwachem Steigen, um die Osterseen zu fotografieren, die im Moment ungewöhnliche Farben aufweisen:

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Kurz darauf fand ich wieder einen recht guten Aufwind bis 1500 m. Ich flog noch weiter nach Norden bis nahe Starnberg. Auf dem Rückweg verlor ich wieder den Anschluss an die Thermik und fand mich ziemlich tief bei Münsing wieder. Von Wolkenfetzen zu Wolkenfetzen tastete ich mich vor, den Gleitwinkel streckend, aber zum Steigen reichte es nicht. Wieder kam ich unter 300 m über Grund, diesmal wäre ich auf die hügeligen Wiesen östlich des Sees gegangen. Doch diesmal war ich mir sicher, wieder wegzukommen, weil ich noch viele Optionen zur Thermiksuche hatte. So bastelte ich mich wieder hoch und beschloss, auch als das Steigen wieder besser wurde, heimzufliegen. Ein dritter solcher Tiefpunkt ist nicht gut für meine Nerven, da kann das Fliegen so viel Spaß machen wie es will.

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Nicht ganz 100 km sind dabei herausgekommen, nicht ganz zwei Stunden hab ich dafür gebraucht. Nicht ganz mein Lieblingswetter, aber es hatte einen hohen Lerneffekt.

Und jetzt weiß ich wenigstens, dass Strohhalme in der Kabinenlüftung eine ziemlich gute Idee sind.

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