Wie man ins Fernsehen kommt

Es war mitten im Winter. Eiskalt fegten die Flocken über die Landebahn des Flugplatzes, der Himmel war grau, und schon länger hatte sich in Königsdorf kein Hangartor mehr geöffnet und kein Flugzeug mehr in die Luft erhoben.

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Es war Januar.

Ich stand in der Werkstatt und fuhr zum dreihundertsten Mal mit dem Schleifklotz über die Steinschlagstelle im Rumpf des Astir, die ich ausbessern wollte. Im Werkstattradio lief „Snow – Hey Oh“, und ich träumte nur sehr vorsichtig vom Fliegen.

Irgendwann kam Leo vom Nachbarverein rüber und hielt mir, nach einigen mitleidigen Blicken auf meinen Schleifklotz, ein Papier unter die Nase. Jemand habe angerufen und einiges über das Fliegen wissen wollen. Und über die Jugendlichen am Flugplatz. Jemand vom Fernsehen sei das gewesen.

Erst jetzt wurde ich hellhörig – gibt es eine Welt außerhalb von Schleifpapier und Schnee? Ach so, ja. Die.

Ich weiß gar nicht genau wie, aber eine Woche später fand ich mich mit Leo zusammen in Tölz wieder, auf einer Besprechung von „Südwild“. Erst dort erfuhr ich, was ich eigentlich schon auf dem Blatt in der Werkstatt hätte lesen sollen:

logoSüdwild ist eine Sendung des Bayerischen Fernsehens, in dem Filme und Live-Interviews von jungen Leuten aus Bayern gezeigt werden, die etwas interessantes zu erzählen haben. Jetzt waren sie in Tölz, und offenbar fanden sie das, was wir ihnen vom Fliegen erzählten, sogar sehr interessant. Alex Bruch, der Coach, sprach nach dem Treffen noch eine zeitlang mit uns. Unbedingt sollte Segelfliegen ins Tölzer Südwild-Programm, unbedingt musste ein Film gemacht werden, und unbedingt wollte er das selbst übernehmen. Alle drei waren wir Feuer und Flamme.

Dass es kompliziert werden würde, so einen Film zu machen, hatte ich mir schon gedacht. Fast jeden Abend telefonierte ich entweder mit Leo oder mit Alex, um alle Kleinigkeiten und Eventualitäten zu besprechen.

Zeitsprung. Anfang Februar standen wir dann wirklich alle in Königsdorf: Leo, Alex, seine Assistentin Evelyn, und ich.

Ich hatte sogar extra die Schule geschwänzt. Wir hatten einen groben Plan und alle Hände voll zu tun: Die Tage sind kurz im Winter.

imgp0031Als Einstieg in den Film sollten Leo und ich uns im Flug kurz vorstellen. Also starteten wir, das große Mikrofon und eine Kamera an Bord, filmten uns jeweils selbst, sagten unseren Text, und landeten wieder.

Beim Sichten des Materials wurde Alex´ Gesicht länger und länger: Das Hintergrundrauschen wurde vom Mikrofon viel zu stark aufgenommen. „Wir müssen´s noch mal machen.“ (Ich wusste noch nicht, wie oft ich diesen Satz in den nächsten Tagen hören sollte!)

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Also mit anderen Mikros wieder gestartet, Text gesagt, gelandet. Diesmal war alles in Ordnung.

Der Film sollte nicht nur schöne Aufnahmen zeigen, sondern auch Action, das macht man heute so, nämlich. Deswegen sollten Leo und ich uns in der Luft ein Rennen um den Blomberg  liefern, das wir dann aus beiden Flugzeugen heraus filmen würden. Dieser Flug war sehr schwierig vorzubereiten: Wir schickten zwei Freunde mit einer Kamera und einem Funkgerät auf den Gipfel des Berges, an dem wir vorbeizischen wollten, und holten einen zweiten Doppelsitzer aus der Halle. In Leos Cockpit sollte Ferdi zum Filmen mitfliegen, in meinem Cockpit Evelyn. Die Ankunft würde Alex von unten festhalten. Mathias und Edi schließlich würden uns in die Luft ziehen.

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Als die Blomberg-Crew auf dem Gipfel war, starteten wir. Zuerst flog Mathias noch mit mir im Schlepp um die Benediktenwand herum, wobei ich zuerst große Probleme hatte, dem Sinkflug des Schleppflugzeuges den Grat entlang zu folgen: Das Seil hing teilweise sehr stark durch und ich konnte die entstehende Schwingung durch Slip und Klappen gerade so ausgleichen. Sekunden später hätte ich ausgeklinkt.

In 2000 Metern Höhe trafen wir Leo und ich klinkte aus. In enger Formation flogen wir zuerst probeweise über dem Gipfel Schleifen, um uns aufeinander einzustellen. vlcsnap-31479

Dann gingen wir etwas tiefer und etwas schneller, wendeten, flogen wieder an den Kameraleuten vorbei. vlcsnap-28922

Als wir nur noch Energie für einen Vorbeiflug hatten, beschleunigten wir auf 200 km/h und flogen schräg versetzt hintereinander knapp über Gipfelhöhe nach Westen. So etwas macht Spaß.

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Auf dem Heimflug hielten wir die Formation noch ein bisschen und beschlossen im Funk, dass ich zuerst landen sollte, da uns das Kamera-Band ausgegangen war und die anderen so unsere Landung von außen filmen konnten.

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Als Alex am Boden das mit dem Kameraband erfuhr, fiel er fast um. Erst die großartigen Aufnahmen über dem Berg und aus Ferdis Kamera beruhigten ihn.

Als wir irgendwann, nach fast zwei Drehtagen, alles Material endlich – endlich! – zusammen hatten, ging es ans Schneiden. Darauf war ich eigentlich am meisten gespannt. Also belagerten wir zu dritt das Tölzer Vereinsheim und bauten uns mit Laptop und Kaffee ein kleines Studio auf.

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Einen Tag und eine Nacht lang saßen wir an dem Film.

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Am Ende kamen fünf Minuten dabei heraus. Es war wirklich interessant zu sehen, wie viel Arbeit in so einem kleinen Filmchen stecken!

Wieder ein Zeitsprung. Es war schon März, ich war gerade achtzehn geworden und der Südwild-Bus stand in der Tölzer Marktstraße, um eine Woche lang live zu berichten. Und vor diesem herrlich unförmigen Ding standen Leo und ich nun, und die Sendung würde in einer halben Stunde beginnen.

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Die meisten Beiträge waren, mit ein paar Ausnahmen, ein ziemlicher Blödsinn. Dann allerdings berichtete die Gleitschirm-Europameisterin Ewa Wisnierska von ihrer Sportart. Und dann waren wir dran.

Bis ich es geschafft habe, den Film hier einzufügen, gibt es ihn hier zu sehen.

Leider hatten die Beiträge zuvor viel mehr Zeit verbraucht als geplant, so dass nur relativ wenig Zeit übrig blieb, nachdem sie unseren Film gezeigt hatten. Trotzdem glaube ich, dass wir einen ganz guten Eindruck vom Segelfliegen vermitteln konnten. Darauf kommt es an, denn in den Medien wird dieser interessantesten aller Sportarten ja kaum Aufmerksamkeit gewidmet.

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Und ins Fernsehen kommt man schließlich auch nicht jeden Tag.

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